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Katzian: „Sarke Gewerkschaften werden sich selbstsicher einbringen!“

Leitantrag formuliert Forderungen, Bundesvorständekonferenz definierte rote Linien

 „Hoher Wohlstand, steigende Beschäftigung, neue Arbeitszeitregelungen mit Freizeittagen, Weiterbildungsmaßnahmen, die von ÖGB und AK durchgesetzte Lohnsteuerkampagne und natürlich die rund 450 jährlich abgeschlossenen Kollektivverträge, die gute Gehälter und faire Arbeitszeitregelungen für 98 Prozent aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Österreich sichern - das ist das Ergebnis einer starken Gewerkschaftsbewegung und einer funktionierenden Sozialpartnerschaft“, begann Wolfgang Katzian, Vorsitzender der GPA-djp (Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier) heute seine Rede am Bundeskongress mit einem Dank an die Delegierten: „Das ist vor allem eurer Arbeit und eurem Engagement zu verdanken!“

Die Lebenskonzepte der Menschen seien differenziert, eine Antwort, die für alle passt, fast nicht mehr möglich. Aber die Eckpunkte und Leitplanken, um den Anspruch arbeitender Menschen, ein gutes Leben zu führen, erfüllen zu können, seien im Leitantrag des Kongresses gut zusammengefasst, so Katzian weiter: „Es geht um faire Einkommen und um Gleichstellung! Wir wollen Frauen in Führungspositionen - wer die Besten will, kann auf sie nicht verzichten. Es geht um Arbeit, die nicht krank macht, um den Erhalt des Gesundheitssystems, um Pensionen, von denen man gut leben kann, um das Recht auf Bildung und Weiterbildung.“ Diese Forderungen können nur erfüllt werden, wenn der Wohlstand gerecht verteilt werde: „Dass die Digitalisierung unsere Gesellschaft verändern wird, das ist fix - aber wie, das bestimmen wir mit! Die Gestaltung der Zukunft überlassen wir nicht den Profiteuren der Digitalisierung, sie verkleinern den Raum der Sozialnormen zugunsten der Marktnormen. Demokratie und Mitbestimmung bleiben auf der Strecke“, erklärte Katzian.

Starke Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter schaffen faire Bedingungen. Mehr Menschen als je zuvor seien bereit, etwas für ihre Zukunft zu tun, immer weniger wollen dafür lebenslange Bindungen und Aktivitätsversprechen eingehen. „Wir werden uns öffnen“, kündigte Katzian an, „wir werden unsere Strukturen weiterentwickeln, aber wir achten auf die Balance zwischen Bewährtem und Neuem: Basis unseres Tuns bleiben unsere Mitglieder. Ihre Träume, ihre Sorgen und Lebensrealitäten bleiben Mittelpunkt unserer Arbeit.“

Sozialpartnerschaft auf Augenhöhe

Natürlich brauche es auch weiterhin Bündnispartner, um an der Gestaltung einer Welt zu arbeiten, in der gutes Leben möglich sei. „Wir suchen unsere Bündnispartner danach aus, ob sie bereit sind, arbeitende Menschen mit Würde und Respekt zu behandeln und ob sie interessiert sind an einer friedlichen, solidarischen Gesellschaft“, bekannte sich Katzian dazu, die Sozialpartnerschaft weiterentwickeln zu wollen. Er hoffe, mit diesem Ansinnen nicht alleine zu sein. Einzelne Ansagen der vergangenen Wochen ließen ihn nämlich daran zweifeln, dass manche dieses Ziel verfolgten, seien aber vielleicht der Tatsache geschuldet, dass sie von Neueinsteigern gemacht wurden. „Wir stehen jedenfalls dafür, das Gemeinsame über das Trennende zu stellen!“ Das bedeute Gesprächs- und Verhandlungsbereitschaft, so Katzian, aber: „Es funktioniert nur, wenn man mit uns auf Augenhöhe redet. Wenn nicht, müssen wir uns anders Gehör verschaffen - was wir tun, das passiert nicht auf Zuruf. Wir kämpfen dann, wenn es notwendig ist und wenn es nicht erwartet wird und dort, wo es besonders effektiv ist. Wir haben oft genug bewiesen, dass wir das können!“

Die wesentlichen Punkte, die roten Linien, seien klar definiert, erinnerte Katzian an die von allen Gewerkschaften vor drei Wochen gemeinsam durchgeführte Konferenz: „Eine leistungsstarke, selbstverwaltete Sozialversicherung, kein Hartz IV in Österreich, kein genereller 12-Stunden-Tag und die Stärkung der Kollektivverträge bei der Gestaltung der Arbeitszeit sowie der Erhalt des Jugendvertrauensrats und der finanziellen Ausstattung der Arbeiterkammern.“

Er reiche auch anderen Bündnispartnern wie der Ärztekammer die Hand, gemeinsam mit der Sozialversicherung die Herausforderungen im Gesundheitswesen zu bewältigen, um weiterhin die beste Versorgung sicherzustellen. Es brauche außerdem einen Brückenschlag zur Wissenschaft und den Medien, um einen Gegenpol zu Fake News zu setzen, so Katzian, der auch ankündigte, gemeinsame Anliegen mit NGOs vorantreiben zu wollen und zur Durchsetzung der Ziele auch politische Parteien als Partner gewinnen zu wollen.

Klares Nein zu Diskriminierung und Faschismus

„Wir wissen, woher wir kommen, wir haben mit unserer Geschichte ein festes Fundament. Dieses Wissen macht uns stark und selbstbewusst im Einsatz für die Menschen und im Kampf für Demokratie“, äußerte sich Katzian in seiner Rede klar gegen jede Form des Faschismus: „Wir sagen Stopp zu jeder Relativierung des Nationalsozialismus und zu jeder Diskriminierung! Wir wissen zu gut, dass der Gewalt der Worte die Gewalt der Taten folgt.“

Alle diese Vorhaben ließen sich dank der Stärke der Gewerkschaften durchsetzen, so Katzian: „Wir sind viele und wir wollen und werden weiter wachsen! Wir wollen die gute Arbeit der mehr als 60.000 BetriebsrätInnen, PersonalvertreterInnen und JugendvertrauensrätInnen modernisieren und für alle Interessierten neue Strukturen entwickeln. Wir werden Engagement aller Art zulassen!“

Es gebe Kräfte in diesem Land, die alles dafür tun, um die Gewerkschaft ins Eck zu drängen, so Katzian abschließend: „Aber wenn jemand in der Lage ist, die Zukunft zu gestalten, dann sind das nicht diejenigen, die auf modern machen, aber unsere Gesellschaft ins 19. Jahrhundert zurückführen wollen, sondern wir - engagierte Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter! Machen wir uns auf den Weg!“

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